0 Vor dem Schlesischen Tor

Am Wochenende war das Wetter herrlich. Wir wollten mit Kindern unbedingt draußen irgendwohin gehen, aber wohin? Meine Schwester Filiz hatte am Sonntag immer frei. Wir haben beschlossen um sie zu besuchen. Sie wohnt seit 20 Jahre mit meiner Mutter in Kreuzberg zwischen Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof in einer schönen Ecke. Sie wohnten aber vorher in Schlesisches Tor. Ich aber nicht, ich war in so langer Zeit in der Türkei bei meiner Großmutter. Meine Schwester hat für uns ein tolles Frühstück zubereitet. Dann sind wir zu Fuss nach Görlitzer Park gegangen. Sie wollte die Kindern den Kindernbauernhof zeigen. Es hat wirklich Spass gemacht, mitten in der Stadt ein wenig frischer Luft zu holen, Tiere mit Hand zu füttern und frei zu bewegen, sogar laut sein zu dürfen. 




Als wir an Görlitzer Park ein Blick wurfen, sah alles ganz friedlich aus, nicht wie in Zeitungsberichten nach Brutalität und Drogenhandlungen und so. Meine Schwester erzählte, dass solche Sachen besonders am vor der Seite des Park passiert, nicht wo die Kinderbahnhof liegt, und die Menschen zum Spazieren gehen oder Picknick machen und auch nicht Mittag. 
Als ich Görlitzer Park gesehen habe, hatte ich Lust unsere alte Wohnung noch einmal zu sehen und die Spielplatz besuchen, als wir als Kind immer spielten.
"Ja, ich erinnere noch!", rief ich ganz begeistert zu meiner Schwester. Es machte uns ziemlich Spass, diese Brücke zu überqueren.

Als wir diese Klettergerüst gesehen haben, haben wir beide erstaunt. Es liegt noch da! Und wie es so klein aussieht! In unsere Erinnerungen war es in doppelter Größe. 
Als ich dann die Straßentabelle "Vor dem Schlesischen Tor" sah, wurde ich überglücklich!


 Meine Eltern wohnten damals wie gesagt in Schlesisches Tor. Wenn sie nicht im Sommer nach der Türkei reisten um uns zu besuchen, durfte ich meine Sommerferien oder manchmal auch Winterferien hier in Berlin verbringen. Ich erinnere immer noch, als ich vielleicht höchstens 9 Jahre Alt war, wie mit einem großen Panam Maschine flog und unser Flugzeug an Tegel Airport landete. Ich faszinierte damals, wie die Stadt von oben so ordentlich aussieht. Es war schon dunkel. Mein Vater hatte mich vom Flughafen abgeholt. Wir sind mit Ubahn nach Hause gefahren. Unterwegs hat mein Vater aus einem Kiosk Zigaretten gekauft. Der Verkäufer hat an mich freundlich gelächelt und mir auch eine Packung Zigarette angereicht. Ich hatte Angst und verweigerte das Packung zu nehmen. Es war aber nur Kaugummi in Zigarettenform.Unterwegs hatte mein Vater mir unsere Adresse gefragt, ich habe mit ganzem Stolz unsere Wohnadresse Wort für Wort buchstabiert: S-C-H-Le-Sis-Ches-Tor-1000-Berlin-36. Ich konnte damals natürlich kein Deutsch. Als wir in dunkler Nacht an unserem Haustür erreichten, es war aber eine riesengroße Tür, hatte mein Vater mit einem dicken alten Schlüssel die Tür geöffnet und wir sind danach durch einem ähnlichen Tür zu einem Innenhof gelandet. Mein Vater sagte: "Ja, meine kleine so sieht unser Haus!" Ich dachte zuerst, dass meine Eltern da in diesem Innenhof wohnten, schaute mit großen Augen an die Gebäude, die vor uns lag. Ich kannte bisher ja keine Altbau-Wohnungen mit Innenhof.

Es war schön damals in Berlin ein Kind zu sein. Es gab so vieles zum Entdecken und Erstaunen, aber auch Geniessen. Mein Vater war Arbeiter in Borsigwerke. Meine Mutter arbeitete in einem Fabrikküche als Aushilfe. Als die beiden zum Arbeit gingen, besuchten wir öfter unsere Tante. Sie wohnte zum Glück in der Nähe. Aber am meistens genossen wir in Kiezstraßen unsere kleine Freiheit. Mit vollem Begeisterung haben wir mit meiner Schwester alles erinnert und erzählt. Ich komme leider selten nach Kreuzberg, und in Schlesisches Tor seit einem kleinen Ewigkeit gar nicht mehr. Wir sind erstaunt, wie alles sich so verändert. Überall gibt es neue Cafes, Bar, Restaurants, Hostels. Viele junge Leuten, die Reisegruppen spazieren herum und sprachen die Sprachen aus der ganzen Welt.
 Nur eins war für mich anders. Damals beendete das U-Bahn in Schlesisches Tor, jetzt fährt es zum Glück weiter. Es gibt keine Grenzen und Mauer mehr...
Und East Side Galery...

Und dann ab nach Hause...


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